Wichtige Änderungen zur Pendlerpauschale

Am 03.01.2013 wurde das neue BMF-Schreiben mit wichtigen Neuerungen zur Entfernungspauschale bzw. der sogenannten Pendlerpauschale veröffentlicht. Diese gelten bereits für die Einkommensteuererklärung 2012.

Lesen Sie in diesem Beitrag, welche Entfernungspauschale aktuell gültig ist, welchen Betrag Sie nun bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ansetzen können oder auf was Sie achten müssen, wenn Sie unterschiedliche Verkehrsmittel nutzen. Profitieren Sie zudem von praktischen Beispielen zur Berechnung der ansetzbaren Kosten. Wir zeigen Ihnen dabei, wie Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung 2012 unter Umständen höhere Beträge ansetzen können.

Die Pendlerpauschale bei Benutzung eines Kraftfahrzeugs:

Nutzen Sie ein Auto, gilt weiterhin für die Strecke von der Wohnung bis zur regelmäßigen Arbeitsstätte eine Entfernungspauschale von 0,30 € pro vollem Kilometer. Dabei ist die einfache Strecke zu berücksichtigen.

Zahl der Arbeitstage x volle Entfernungskilometer der einfachen Strecke x 0,30 €

Maßgebend ist aber nicht die Strecke, die Sie zurücklegen, sondern die kürzeste Straßenverbindung oder nun auch die verkehrsgünstigste Wegstrecke.

Hinweis: Die Entfernungspauschale kann auch angesetzt werden, wenn Sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Moped oder als Teilnehmer einer Fahrgemeinschaft unterwegs sind.

Die Pendlerpauschale bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel:

Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, können Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung entweder die Entfernungspauschale ansetzen oder die tatsächlichen Kosten (z.B. Fahrscheine, Monatskarten, Jahreskarten).

Neuerung: Die tatsächlichen Kosten werden angesetzt, wenn sie die insgesamt im Kalenderjahr anzusetzende Entfernungspauschale übersteigen.

Tipp: Vergleichen Sie unbedingt die Entfernungspauschale mit den tatsächlichen Kosten. Dadurch können Sie gegebenenfalls höhere Kosten ansetzen, wie das praktische Beispiel zeigt.

Praktisches Beispiel:
Sie fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln 12 Monate im Jahr (220 Arbeitstage) zur 50 Kilometer entfernten Arbeitsstätte. Dies ist auch die kürzeste Strecke. Die Monatskarte kostet Sie 320 €.

Entfernungspauschale:
220 Tage x 50 KM x 0,30 € = 3.300 €

tatsächliche Kosten:
320 € x 12 Monate = 3.840 €

Ansetzbar = 3.840 €

Höchstgrenze von 4.500 € im Jahr

Beachten Sie: Die Entfernungspauschalen sind auf einen Höchstbetrag von 4.500 € im Kalenderjahr begrenzt.

Ausnahme:

  • Für die Benutzung eines eigenen Autos oder Firmenwagens gilt diese Höchstgrenze nicht.
  • Neuerung: Können Sie im Kalenderjahr bei öffentlichen Verkehrsmitteln höhere Ausgaben glaubhaft machen, gilt die Höchstgrenze ebenfalls nicht.

Praktisches Beispiel:
Sie fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln 12 Monate im Jahr (220 Arbeitstage) zur 100 Kilometer entfernten Arbeitsstätte (kürzeste Strecke). Die Monatskarte kostet Sie 320 €.

Entfernungspauschale:
220 Tage x 100 KM x 0,30 € = 6.600 €
Höchstgrenze 4.500 €

tatsächliche Kosten:
320 € x 12 Monate = 3.840 €

Ansetzbar = 4.500 €

Die Pendlerpauschale bei Benutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel:

Nutzen Sie unterschiedliche Verkehrsmittel für den Weg zur regelmäßigen Arbeitsstätte, dann gestaltet sich die Berechnung komplizierter. Für eine Teilstrecke nutzen Sie beispielsweise Ihr Auto und für eine weitere Teilstrecke ein öffentliches Verkehrsmittel. Oder Sie haben im ersten Teil des Jahres Ihr Auto benutzt und im anderen Teil des Jahres dann öffentliche Verkehrsmittel.

Neuerung: Für den Zeitraum, indem öffentliche Verkehrsmittel benutzt wurden, werden die tatsächlichen Kosten mit der im Kalenderjahr anzusetzenden Entfernungspauschale für die öffentlichen Verkehrsmittel verglichen.

Bei der Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel gehen Sie wie folgt vor:

  • Schritt 1:
    Ermitteln Sie zunächst die maßgebende Entfernung, also die kürzeste Straßenverbindung. Für die Strecke mit dem Auto kann auch die verkehrsgünstigste Entfernung angesetzt werden.<br\>
  • Schritt 2:
    Ermitteln Sie dann die Entfernungspauschale für die Tage und Strecke, die Sie mit dem Auto gefahren sind. Hier müssen Sie die Höchstgrenze von 4.500 € nicht beachten.
  • Schritt 3:
    Anschließend ermitteln Sie die Entfernungspauschale für die Tage und Strecke, die Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren sind. Hier müssen Sie jedoch die Höchstgrenze von 4.500 € beachten.
  • Schritt 4:
    Vergleichen Sie zuletzt, ob die tatsächlich angefallenen Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel höher sind als die Entfernungspauschale.
  • Schritt 5:
    Rechnen Sie dann die Beträge zusammen.

Praktisches Beispiel:
Sie fahren im Kalenderjahr in den ersten drei Monaten mit dem eigenen Auto und die letzten neun Monate mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur 100 Kilometer entfernten Arbeitsstätte. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind es jedoch 120 Kilometer. Die Monatskarte kostet Sie 320 €.

  • Schritt 1:
    Ermittlung maßgebende Entfernung:
    Auto = 100 Kilometer
    öffentliche Verkehrsmittel = 120 Kilometer
    Angesetzt werden bei beiden Verkehrsmitteln 100 Kilometer, da dies die kürzeste Strecke ist.
  • Schritt 2:
    Berechnung Entfernungspauschale Auto:
    55 Tage x 100 km x 0,30 € = 1.650 €
  • Schritt 3:
    Berechnung Entfernungspauschale öffentliche Verkehrsmittel:
    165 Tage x 100 km x 0,30 € = 4.950 €
    ABER es gilt Höchstbetrag von 4.500 €
  • Schritt 4:
    Vergleich tatsächliche Kosten für öffentliche Verkehrsmittel:
    320 € x 9 Monate = 2.880 €
  • Schritt 5:
    Anzusetzende Entfernungspauschale:
    Auto = 1.650 €
    öffentliche Verkehrsmittel = 4.500 €
    Ansetzbar: 6.150 €

Pauschalbesteuerung und Höhe der Zuschüsse durch den Arbeitgeber:

Achtung: Die aufgeführten Neuerungen haben Auswirkungen auf die Höhe der Arbeitgeberzuschüsse durch Ihren Arbeitgeber.

Der Arbeitgeber kann die von ihm gezahlten Fahrtkostenzuschüsse für die Wege des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte pauschal mit 15% versteuern. Diese sind sozialversicherungsfrei.

Voraussetzung ist, dass die Zuschüsse nicht höher sind als der Betrag, den Sie als Arbeitnehmer in der Steuererklärung geltend machen können:

  • Für die Benutzung eines eigenen Autos oder Firmenwagens kann für die Pauschalbesteuerung maximal ein Zuschuss in Höhe der abziehbaren Entfernungspauschale gezahlt werden.
  • Für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel kann für die Pauschalbesteuerung maximal ein Zuschuss in Höhe der tatsächlichen Kosten gewährt werden.
  • Neuerung: Für die Benutzung verschiedener Verkehrsmittel gilt für die Pauschalbesteuerung in erster Linie ein maximaler Zuschuss in Höhe der abziehbaren Entfernungspauschale. Für eine Pauschalbesteuerung kann der Zuschuss für die tatsächlichen Kosten für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nur gewährt werden, wenn diese Kosten die im Kalenderjahr anzusetzende Entfernungspauschale übersteigen.

Hinweis:
Die Regelungen zur Pauschalisierung der Zuschüsse gelten erst ab dem Lohnabrechnungszeitraum 2013!

Reisekosten.de hat Ihnen in diesem Beitrag die wichtigsten Neuerungen zur Entfernungspauschale vorgestellt. Das BMF-Schreiben vom 03.01.2013 beinhaltet noch weitere Neuerungen im Zusammenhang mit der Entferungspauschale. Diese und die im Beitrag aufgeführten Regelungen können Sie im BMF-Schreiben nachlesen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit der Pendlerpauschale? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

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