Für eine Handvoll Nüsse

Kaum haben wir uns an die bürokratischen Regelungen des BMF-Schreibens aus dem Vorjahr gewöhnt, welches seit Anfang des Jahres die Reisekosten-Welt gehörig durcheinander gebracht hat, liefert ein neues Schreiben neuen Zündstoff in ganz ungeahntem Ausmaße.

Im “Ergänzten BMF-Schreiben zur Reform des steuerlichen Reisekostenrechts ab 1.1.2014” werden einige Sachverhalte mit neuen Beispielen näher spezifiziert. Richtig interessant wird es allerdings, wenn man sich die Mühe macht und vor allem die Geduld aufbringt, das nun mittlerweile 62(!) seitige Schreiben komplett durchzulesen. Denn auf Seite 33 regelt ein Beispiel, wie in Zukunft mit Mahlzeiten umzugehen ist, welche Arbeitnehmern im Flugzeug, auf Schiffen oder in Zügen – sofern sie fahren – unentgeltlich angeboten werden. Wird nämlich die Rechnung auf den Arbeitgeber ausgestellt und durch den Arbeitgeber erstattet, erfüllen solche Mahlzeiten in Zukunft die Voraussetzungen der Mahlzeitengestellung.

Auf Deutsch: Erhalten Sie nächstes Jahr auf einem Flug von Frankfurt nach Paris abends gegen 19:00 Uhr eine kleine Tüte Erdnüsse von der netten Flugbegleiterin, müssen Sie Ihre Verpflegungspauschale innerhalb Ihrer Reisekostenabrechnung um 23,20€ kürzen! Sie glauben mir nicht? Dann spielen wir diesen Tag einmal durch.

Sie starten Ihre Reise um 17:00 Uhr in Frankfurt und fahren zum Flughafen, um den Flieger um 18:30 Uhr nach Paris zu erreichen. Nach dem Take-off und dem Zeichen, dass Sie sich abschnallen können, werden die Erdnüsse kredenzt. Um kurz vor 20:00 Uhr verlassen Sie den Flieger und begeben sich ins Hotel, um am nächsten Tag beim Kunden einzutreffen.

Für diesen Tag erhalten Sie die sog. Anreisepauschale und zwar für Frankreich – Paris, da Sie sich um 24:00 Uhr Ortszeit im Hotel in Paris befinden werden. Die Anreisepauschale für Frankreich – Paris beträgt Stand heute 39€.

Wenn nun der Flug durch Ihren Arbeitgeber innerhalb Ihrer Reisekostenabrechnung erstattet wird, und wir die Mahlzeit, sprich die Handvoll Erdnüsse, als eine vom Arbeitgeber veranlasste Mahlzeit betrachten, müssen Sie Ihre Verpflegungspauschale kürzen. Ausschlaggebend ob es sich um ein Frühstück, ein Mittag- oder Abendessen handelt, ist dabei die Uhrzeit, zu welcher die Mahlzeit dargereicht wird. Eine Mahlzeit um 19:00 Uhr würde als Abendessen bewertet werden. Somit kommt die 40% Kürzung zum Tragen. Die Kürzung wird, so wie immer, aber nicht von der Pauschale errechnet, die Ihnen zusteht (39€), sondern berechnet sich immer aus dem Verpflegungssatz für die 24h Pauschale. Und diese liegt für Frankreich – Paris bei 58€. Jetzt nehmen Sie Ihren Taschenrechner in die Hand und rechnen aus: 40% von 58€ – richtig: 23,20€!

Es bringt übrigens auch nichts, die Nüsse schnell noch über deutschem Hoheitsgebiet zu verspeisen. Denn die Kürzungen werden von der Pauschale errechnet, welche Sie am Ende des Tages erhalten.

Inwiefern sich die neue Regelung nun auf die Rechnungsstellung der Flug- oder Bahngesellschaften auswirken wird, ist heute schon absehbar. Denn was heute schon bei Hotelrechnungen üblich ist, das Frühstück separat auszuweisen, kann durchaus demnächst auch auf Flugrechnungen zu finden sein: Flug – ohne Nüsse!

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Ergänztes BMF-Schreiben zur Reform des steuerlichen ReisekostenrechtsÜbernachtungs- und Verpflegungspauschalen im Ausland ab 2015