Augen auf bei der Rückreise

Das ergänzende BMF-Schreiben vom 24.10.2014 bringt weitere Änderungen der Pauschalen-Berechnung, die leicht zu übersehen sind.

Durch eine fast schon versteckte Ergänzung im Fallbeispiel Nr. 34 (Randziffer 48, Seite 27) wird die aktuelle Pauschalen-Regelung für den Tag der Ankunft zu Hause auf den Kopf gestellt.

Bislang war es so, dass man für den Erhalt der Abreisepauschale (in Deutschland 12 Euro) immer in der Nacht vor Ankunft zu Hause, auswärts übernachten musste. Dies wird auch weiterhin im ergänzenden BMF-Schreiben unter Randziffer 48 so aufgeführt.

 “Für den An- und Abreisetag einer mehrtägigen auswärtigen Tätigkeit mit Übernachtung außerhalb der Wohnung kann ohne Prüfung einer Mindestabwesenheitszeit eine Pauschale von jeweils 12 Euro als Werbungskosten berücksichtigt bzw. vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzt werden.”

Siehe auch unseren Beitrag “Das neue Reisekostenrecht anhand von Praxisbeispielen Teil 2”.

Ergänzt wurde dieser Passus durch die Tätigkeit bei Nacht mit anschließender Übernachtung. 

“…Eine mehrtägige auswärtige Tätigkeit mit Übernachtung liegt auch dann vor, wenn die berufliche Auswärtstätigkeit über Nacht ausgeübt wird und sich daran eine Übernachtung am Tage sowie eine weitere Tätigkeit über Nacht anschließt. Unerheblich ist auch, ob für die Übernachtung tatsächlich Übernachtungskosten anfallen…”
(Quelle: BMF-Schreiben vom 24.10.2014  Randziffer 48, Seite 26)

Nach Verständnis des neuen Fallbeispiels 34 (Randziffer 48, Seite 27) gibt es hier allerdings einen Widerspruch. Danach ist es völlig unerheblich, ob Ihnen die Augen im Hotel, bei einem Bekannten, im Auto auf dem Parkplatz oder sonst irgendwo auf der Rückreise oder danach zufallen und Sie in den Schlaf gleiten. Ab sofort können Sie durchfahren und damit schneller nach Hause kommen.

Denn die Abreisepauschale erhalten Sie nach diesem Fallbeispiel auch, wenn Sie nicht vor der Ankunft zu Hause übernachten.

 “Beispiel 34

Monteur M aus D ist von Montag bis Mittwoch in S auswärts tätig. Eine erste Tätigkeitsstätte besteht nicht. M verlässt am Montag um 10.30 Uhr seine Wohnung in D. M verlässt S am Mittwochabend und erreicht seine Wohnung in D am Donnerstag um 1.45 Uhr.

M steht für Montag (Anreisetag) eine Verpflegungspauschale von 12 Euro zu. Für Dienstag und Mittwoch kann M eine Pauschale von 24 Euro beanspruchen, da er an diesen Tagen 24 Stunden von seiner Wohnung abwesend ist. Für Donnerstag steht ihm eine Pauschale von 12 Euro zu (Abreisetag).”
(Quelle: BMF-Schreiben vom 24.10.2014  Randziffer 48, Seite 27, Fallbsp. 34)

Gehen wir also von dem extremen Fall aus, dass Sie um 00:01 Uhr zu Hause ankommen, dürfen Sie in Deutschland 12 Euro Abreisepauschale für diese eine Minute erhalten.

Führte die alte Regelung noch dazu, dass die Übernachtungen z.B. auf den Autobahn-Parkplätzen zunahmen, so könnte diese Regelung dazu führen, dass einige Reisende kurz vor der Ankunft zu Hause doch noch ein paar Besorgungen an der Tankstelle vornehmen.

Und siehe da…plötzlich ist es beim Öffnen der Haustür nach 0:00 Uhr und es klingelt beim Übertreten der Türschwelle in der Pauschalenkasse.

Je nach Besorgung an der Tankstelle können Sie Ihren Liebsten zu Hause damit noch eine Freude machen.

In diesem Sinne: Halten Sie die Augen auf bei der Rückreise.

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