Nur noch eine regelmäßige Arbeitsstätte – Die 46 Tage-Regelung entfällt

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Aktuelles BFH Urteil wirft die Rechtsprechung zu Reisekosten um

Regelmäßige ArbeitsstätteWer sich im Unternehmen mit Reisekostenabrechnungen befasst weiß, die Regelungen sind kompliziert. Doch nun hat der Bundesfinanzhof die aktuelle Rechtsprechung umgeworfen und damit endlich das Reisekostenrecht vereinfacht! Wir informieren Sie in diesem Beitrag über die Änderungen, die zugunsten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern ausfallen:

Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs kann jeder Arbeitnehmer nun nur noch eine regelmäßige Arbeitsstätte haben. Dies gilt selbst dann, wenn der Arbeitnehmer mehrere Arbeitsstellen regelmäßig anfährt.

Bisher wurde jede Arbeitsstätte vom Finanzamt als fester Arbeitsplatz angesehen. Arbeitnehmer durften deshalb für die Fahrten dorthin nur die Pendlerpauschale von 30 Cent pro Kilometer absetzen.

Der Bundesfinanzhof hat nun zugunsten von Arbeitnehmern und Unternehmen entschieden:

Handhabung der Reisekosten bei weiteren Arbeitsstätten:

Ab sofort stellen die Fahrten zu weiteren Arbeitsstätten Auswärtstätigkeiten dar und können als Reisekosten abgerechnet werden.
Für Arbeitnehmer, bedeutet das konkret, dass Sie Verpflegungsmehraufwendungen bis zu 24,- € geltend machen können und für jeden tatsächlich gefahrenen Kilometer – somit für die Hin- und Rückfahrt zu den Arbeitsstätten – 30 Cent pro Kilometer ansetzen können (zum Urteil Az. VI R 55/10).

Handhabung der Reisekosten bei keiner regelmäßigen Arbeitsstätte:

Hat ein Beschäftigter keine regelmäßige Arbeitsstätte dann ist sogar jede geschäftlich veranlasste Fahrt eine Geschäftsreise (zum Urteil Az. VI R 36/10).

Handhabung der Reisekosten bei einer Fahrt in die Firmenzentrale:

Und auch die Fahrt eines Mitarbeiters im Homeoffice oder eines Außendienstmitarbeiters in die Firmenzentrale kann unter bestimmten Voraussetzungen nun als Geschäftsreise angesehen werden (zum Urteil Az. VI R 58/09).

Sogar Arbeitnehmer, die einen Geschäftswagen nutzen profitieren von der Änderung der Rechtsprechung. Bisher musste ein Arbeitnehmer für private Fahrten wie zum Beispiel die Fahrt zwischen der Wohnung und dem Arbeitsplatz einen „geldwerten Vorteil“ versteuern. Stellt der Arbeitsplatz nun keine regelmäßige Arbeitsstätte mehr dar, zählt diese Fahrt als Dienstreise und die Versteuerung des „geldwerten Vorteils“ entfällt.

Arbeitgeber profitieren ebenfalls von den Urteilen des BFH. Die Lohnbuchhaltung spart sich die komplizierte Berechnung der Entfernungskilometer und des „geldwerten Vorteils“ durch einen Dienstwagen. Die Abgrenzung zwischen einer Anfahrt zum Arbeitsplatz und einer Dienstreise ist nun eindeutiger geklärt.

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Spannend bleibt, wie nun die Finanzpolitik auf die Rechtsprechung reagiert und die Umsetzung in der Praxis läuft? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

12 Gedanken zu “Nur noch eine regelmäßige Arbeitsstätte – Die 46 Tage-Regelung entfällt

  1. Hallo,

    ich habe einen HomeOffice-Arbeitsvertrag (Dienstsitz ist meine Heimadresse), bin aber seit ca. 3 Jahren wochentäglich in der Zentrale des Unternehmens. Bislang konnte ich die Kosten der Fahrten in die Firma im Rahmen einer Reisekostenabrechnung inklusive Verpflegungspauschale geltend machen – das war mir so bei den Vertragsverhandlungen meines Arbeitsvertrages als „Goody“ zugesagt wurden und wurde in den letzten 3 Jahren durchgängig auch wie vereinbart umgesetzt.

    Nun wurde mir jedoch mitgeteilt, dies sei aufgrund einer neuen gesetzlichen Regelung seit dem 1.1.2015 ab sofort nicht mehr möglich, weil ich „mehr als 3 Tage in der Woche in der Zentrale“ sei – ist das rechtens?

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung!

    • Hallo Thomas,

      Ihr Arbeitgeber bezieht sich hier auf die Regelungen zur ersten Tätigkeitsstätte.
      Da Sie seit 3 Jahren jeden Tag in der Zentrale des Unternehmens tätig sind, wird die Zentrale zu Ihrer ersten Tätigkeitsstätte.

      Die erste Tätigkeitsstätte ersetzt seit dem 01.01.2014 die „regelmäßigen Arbeitsstätte“.
      Nur wenn Sie außerhalb Ihrer Wohnung und nicht an Ihrer ersten Tätigkeitsstätte beruflich tätig werden, fallen Reisekosten an, deshalb dürfen Sie für diese Fahrten keine Reisekosten abrechnen.
      Das Home-Office ist keine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers und deshalb auch keine erste Tätigkeitsstätte.

      Zur ersten Tätigkeitsstätte haben wir einen Lexikoneintrag: http://www.reisekosten.de/lexikon/lexikon-erstetaetigkeitsstaette/

      Diese Informationen kann ich Ihnen geben. Zur rechtlichen Lage und Ihrem abgeschlossener Arbeitsvertrag kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen.

      Viele Grüße
      Cornelia Meier

  2. Hallo,

    eine Frage. Ich habe ein Homeoffice und bin aber im Regelfall alle zwei Wochen für 3-4 Tage in der Firmenzentrale, habe dort ein Zimmer, welches mir kostenlos zur Verfügung gestellt wird, bekomme von meinem Arbeitgeber aber keine Verpflegungspauschale für die Aufenthalte. Darf ich die Pauschalen bei der Einkommenssteuererklärung aufführen? Gibt es da eine höchste Zahl an Tagen im Jahr? Was ist mit den Fahrten von Zuhause in die Firma? Diese werden mit dem Firmenwagen getätigt. Muss ich da was berücksichtigen?

    Vielen Dank im Voraus

    • Hallo Stephan,

      im ersten Schritt müssen Sie prüfen, ob Ihre Firmenzentrale Ihre erste Tätigkeitsstätte ist.
      Die erste Tätigkeitsstätte könnte zum Beispiel in Ihrem Arbeitsvertrag festgelegt worden sein.

      Ist die Firmenzentrale Ihre erste Tätigkeitsstätte, dann ist die Fahrt und der Aufenthalt dort keine Dienstreise.
      Sie erhalten keine Verpflegungspauschalen, können diese auch nicht in der Einkommenssteuererklärung aufführen und müssen die Kilomter mit 0,03% des Bruttolistenpreis des Firmenwagens versteuern.

      Gibt es keine schriftliche Festlegung der ersten Tätigkeitsstätte, kommt es auf die Dauer Ihrer Tätigkeit an.
      Da Sie alle 2 Wochen 3-4 Tage in der Firmenzentral sind, kann die Firmenzentrale nach einer gewissen zu Ihrer ersten Tätigkeitsstätte werden.

      Die Firmenzentrale ist dann Ihre erste Tätigkeitsstätte, wenn Sie
      – mind. ein Drittel der vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit
      – 2 volle Arbeitstage in der Woche oder
      – arbeitstäglich tätig sind, wenn die eigentliche berufliche Tätigkeit durchgeführt wird

      Bei Ihnen könnte es auf die erste Variante, ein Drittel der vereinbarten Arbeitszeit hinauslaufen.

      Die Kriterien zur Bestimmung der ersten Tätigkeitsstätte haben wir im Lexikon auch noch mal aufgeführt:
      http://www.reisekosten.de/lexikon/lexikon-erstetaetigkeitsstaette/

      Meine Empfehlung: Wenden Sie sich an Ihren Steuerberater, dann sind Sie auf der sicheren Seite.

      Viele Grüße
      Cornelia Meier

  3. Wie sieht es 2015 aus?
    Ich sitze im Homeoffice und fahre ca. 20-30x / Jahr in die Firmenzentrale. Inkl Fahrt und Aufenthalt bin ich ca. 13h auf Tour. Stehen mir hierfür die 12€ Tagespauschale zu? Bin der erste Außendienstler im Unternehmen und daher ist die Unwissenheit groß. Bei meinem alten Arbeitgeber bekam ich die Pauschale, bei meinem jetzigen Arbeitgeber heißt es nein.

    Was ist richtig?

    • Hallo Buggy,

      zunächst ist es möglich, dass Ihr Arbeitgeber den Firmensitz als Ihre erste Tätigkeitsstätte bestimmt, dann hätten Sie keinen Anspruch auf Pauschalen.
      Legt Ihr Arbeitgeber keine erste Tätigkeitsstätte fest, werden quantitative Kriterien zur Auswahl herangezogen (mind. 1/3 der vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit, oder 2 volle Arbeitstage in der Woche, oder arbeitstäglich, bei eigentlicher berufliche Tätigkeit). Trifft von diesen ein Kriterium zu, gibt es leider auch keine Pauschalen.

      Und die dritte Variante: Bei einem Home Office handelt es sich nicht um eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers oder eines Dritten und damit auch nicht um eine erste Tätigkeitsstätte. Alle Ihre Fahrten/Reisen sind „beruflich veranlasste Auswärtstätigkeiten“ und Sie können in diesem Fall die Pauschale ansetzen. Ihr Arbeitgeber entscheidet aber auch hier, ob er Pauschalen bezahlt oder nicht. Wenn er sich gegen die Bezahlung entscheidet, können Sie die Pauschalen als Werbungskosten in Ihrer Einkommenssteuererklärung ansetzen.

      Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Varianten verständlich beschreiben. Ich empfehle Ihnen auch mit Ihrem Steuerberater über Ihre Situation zu sprechen.

      Viele Grüße
      Cornelia Meier

  4. Hallo, ich werde wegen Umzugs ab 01.10.2014 meine Arbeit im Angestelltenverhältnis von zu Hause im Home-Office erledigen. Allerdings befindet sich die neue Adresse dann im ca. 500 km entfernten Wohnort zum Firmensitz. Diesen werde ich gem. Abmachung mit dem Firmenchef einmal im Monat für 3 Tage aufsuchen, um alles Notwendige für die nächsten 4 Wochen zu besprechen und zu erledigen. Demzufolge bin ich also 12x im Jahr unterwegs. Ich verfüge über kein Firmenauto und werde die Fahrten mit meinem eigenen KFZ durchführen. Wie sieht hier die Verfahrensweise bzgl. Reise- oder Fahrtkosten aus.
    Herzliche Grüße
    M.Wagner

    • Hallo Herr Wagner,

      suchen Arbeitnehmer mit Home Office auch typischerweise arbeitstäglich oder je Arbeitswoche
      zwei volle Arbeitstage oder mindestens ein Drittel ihrer vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit
      dauerhaft den Firmensitz, ein Werk oder Ähnliches auf, so haben sie dort eine erste Tätigkeitsstätte.
      Da der Arbeitnehmer im Home Office keine erste Tätigkeitsstätte hat, liegt bei der Fahrt
      zum Arbeitgeber eine Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte vor.

      Hier fehlt es bei Ihnen aber an den quantitativen Kriterien, da Sie weder arbeitstäglich noch zwei volle Arbeitstage in der Woche Ihren Firmensitz aufsuchen.

      Anders verhält es sich, wenn Ihr Arbeitgeber den Firmensitz als Ihre erste Tätigkeitsstätte festlegen würde. Dann wären die Fahrten und Reiseteiten dorthin nicht mehr als Dienstreise zu bewerten.

      Fehlt eine solche Festlegung und haben Sie somit keiner erste Tätigkeitsstätte, sind die Fahrten und Reisezeiten in meinen Augen als Dienstreisen zu bewerten. Erstattet Ihr Arbeitgeber für diese Fahrten keine Verpflegungspauschale und keine Kilometerpauschale, können Sie diese Kosten in Ihrer Einkommenssteuererklärung geltend machen.

      Viele Grüße,
      Hasan Yilmaz

  5. Hallo,
    Wenn ich als Firmenwagenfahrer zukünftig nur noch eine regelmäßige Arbeitsstätte habe, muss ich dann zukünftig den geldwerten Vorteil nur noch für die tatsächlichen Fahrten zahlen, also z.B. 6 von 15 im Monat?

    Viele Grüsse

    MM

    • Hallo MM,

      für die Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstätte muss nach wie vor der geldwerte Vorteil erfasst werden.
      Das bedeutet, die pauschale Versteuerung nach der 1-Prozent-Regelung und 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer
      werden monatlich bei Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte als geldwerter Vorteil erfasst.

      Die Fahrten zu weiteren Arbeitsstätten gelten nun als Dienstreisen, wenn die Arbeitsplätze
      keine regelmäßige Arbeitsstätte darstellen. Die Versteuerung des geldwerten Vorteils entfällt für diese Fahrten.

      Bitten erkundigen Sie sich bei Ihrem Steuerberater/Finanzamt nach der genauen Sachlage in Ihrem Fall.

      Freundliche Grüße
      Cornelia Meier

    • Hallo Andreas,

      als Mitfahrer dürfen Sie auf dem Weg zwischen Ihrer Wohnung und Ihrer Arbeitsstätte 30 Cent pro gefahrenem Kilometer (Entfernungspauschale) ansetzen.
      Handelt es sich um eine Dienstreise, dürfen Sie nur die tatsächlichen Kosten geltend machen. Die Kilometerpauschale können Sie nur ansetzen, wenn Sie selbst der Fahrer des Wagens sind. (Diese Angaben beziehen sich auf Reisekosten die nach den Vorgaben der Lohnsteuerrichtlinien abgerechnet werden.)

      Viele Grüße
      Cornelia Meier

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